Diversität ist unsere neue Normalität. Mach mit, sei dabei.
Was bedeutet neue Normalität? Um das zu beantworten, müssen wir wissen, was die „alte“ Normalität ist. Generell gilt doch, dass jeder Mensch unabhängig von z.B. Herkunft, Hautfarbe, Alter und Geschlecht, Religion sowie sexueller Orientierung, sozialem Status und sämtlichen Behinderungen ein Anrecht darauf hat, sich gesellschaftlich zu verwirklichen. Dies ist ein zutiefst menschlicher Grundsatz.
Ehrlich gefragt: Sieht und fühlt die Gesellschaft so? Wie denkt Ihr, steht die Gesellschaft zu Diversität? Da kommt die Frage auf, wer ist eigentlich diese Gesellschaft? Ihr ahnt es selber, die Antwort wird unbequem. Jeder Einzelne von uns bildet die Gesellschaft. Wir sind die Gesellschaft! Jeder von uns hat somit die Verantwortung, die obige schöne Theorie nicht nur brav zu beklatschen (alte Normalität), sondern sie auch jeden Tag zu leben und sie damit im Rahmen seiner Möglichkeiten zur neuen Normalität werden zu lassen. Möglichkeiten haben wir im Privaten oder beruflich oft genug. Welche das sind, möchte die neue Normalität für uns alle sichtbar und erlebbar machen. Es gibt viel zu tun, aber das Schöne ist, Kulturstätten können mit anpacken. Sie sind Spiegel der Mehrheitsgesellschaft und auch Sprachrohr marginalisierter Gruppen.
Das Thealozzi will daran mitarbeiten, menschliche Vielfalt in unseren Leben normal werden zu lassen. Dazu gehört es auch, für uns als Kulturstätte Veränderungsprozesse einzuführen und zu durchlaufen, um sie auch bei uns zu verstetigen. Wir gehen es weiter an.
Im Thealozzi gab es 2022, 2023 und 2024 eine Künstlerin, die als Diversitätsbeauftragte das Haus bei diesem Veränderungsprozess unterstützt und begleitet hat. Ihr Name ist Sahar. Sie ist Schauspielerin, schreibt und produziert eigene Stücke sowie Formate zum Thema Inklusion, die unterhaltend aufklären. Funfact garantiert. Sie macht theaterpädagogische Arbeit mit Kindern sowie Jugendlichen. Aufgewachsen ist sie mehrsprachig und multikulturell und ist vom Thema Diversität selbst betroffen: Frau mit Migrationshintergrund, anderer Hautfarbe, Religion, Künstlerin und Mensch mit Behinderung.
Im Thealozzi ist sie inkludiert und wirkt dort gerne mit den unterschiedlichen Gruppen. Sie hat sich gefreut, diese Arbeit machen zu dürfen und bedanke mich herzlich bei dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW für diese Projektförderung.
Und hierum dreht es sich bei der Diversitätsentwicklung im Thealozzi:
- Verbesserung der Infra- und Kommunikationsstrukturen
- Presse- + Öffentlichkeitsarbeit
- Netzwerk + Netzwerken
- spartenübergreifende Gemeinschaftsprojekte
- Jugend- + Seniorenarbeit
Sahar hat diesen Veränderungsprozess bislang erst auf den Weg gebracht. Bis Diversität auf allen Ebene zu einer neuen Normaltät geworden ist, wird es noch lange dauern und das Thealozzi arbeitet weiter an diesem Ziel.
Sahar und das Thealozzi bedanken sich herzlichst beim Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW für diese großartige Unterstützung.
Diversitätsentwicklung -
Die Ausgangslage vor dem Diversitätsentwicklungsprozess
Das Haus ist für jeden kulturinteressierten Menschen offen. Es ist dabei irrelevant, ob es sich dabei um andere Kulturschaffende, Künstler:innen, Kursteilnehmende, Publikum oder Kooperationspartner:innen handelt. Ihr seid herzlich eingeladen, kommt uns besuchen!
Die Kulturstätte hat sich in den letzten Jahren im Sinne der Diversität und Inklusion weiterentwickelt und strebt eine maxinale Barrierearmut an. Mit Hilfe von Förderungen wurden folgende bauliche Verbesserungen geschafft:
Zwischen 2019 und 2021 wurde ein Raum mit WC und Dusche für Menschen mit starken Mobilitätseinschränkungen umgebaut. Über eine Rampe gelangen alle Menschen, die sie benötigen, über den Nebeneingang ins Haus. Die dortigen Türen werden umgebaut, so dass sie sich mit einem Knopfdruck automatisch öffnen lassen. So kann man im Erdgeschoss z.B. die Veranstaltungen im Café besuchen. Das nächste Ziel ist ein Aufzug oder eine Alternativmöglichkeit, um den Theatersaal zu erreichen.
Zwei Gruppen des Hauses beschäftigen sich besonders mit Inklusion und Diversität in Form von Theaterproduktionen, Konzerten, Shows, Projekten und Workshops. Ob Kunst und Kultur zum Anschauen oder Mitmachen, im Thealozzi werden Groß und Klein fündig. Und seit zwei Jahren bereichert eine Senioren-Theatergruppe das Haus.
Diversitätsentwicklungsprozess im Thealozzi
Auf der Basis unserer Ausgangslage möchten wir einen erweiterten Diversitätsentwicklungsprozess durchlaufen. Dazu hat Sahar Konzepte ausgearbeitet, die helfen, neue Strukturen im Haus einzuführen und zu verankern. Wir möchten schrittweise baulich, technisch, mental barrierefrei werden. Der Kulturbetrieb will sich und die vielfältigen Angebote seiner Künstler:innen sichtbarer und inhaltlich deutlicher präsentieren. Das Kulturhaus Thealozzi soll als ein Ort der Begegnung etabliert werden, an dem Diversität gelebt wird. Mit dem Projekt möchten wir unseren Teil zu einem relevanten, gesellschaftsverändernden Prozess beitragen. Dabei versuchen wir nicht nur viele Kulturschaffende zu erreichen, sondern auch so viel Publikum wie möglich. Natürlich sprechen wir auch Institutionen an, die unsere Künstler:innen mit ihren Projekten buchen möchten. Wir leben unser Ziel nach der Weisheit, die etwas abgewandelt so lautet: “Verändere einen und Du veränderst die Welt.”
Und um diese Bereiche geht es im Thealozzi
Diversität im Haus verankern
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Spartenübergreifende Gemeinschaftsprojekte:
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Inklusion
Liebes Publikum, im Rahmen der Diversitätsentwicklung im Haus, beschäftigen wir uns vermehrt mit Inklusion, Integration, etc.. Manches davon ist gar nicht so einfach, besonders, wenn es um Begrifflichkeit geht. Deshalb haben wir im Folgenden einmal zusammengefasst, was eigentlich für uns was ist:
Bedeutung: Auslöschung.
Hierbei geht es um die unterste Einordnung von Gesellschaftsmodellen. Es ist die schlimmste Art mit Vielfalt umzugehen. In so einer Gesellschaft ist kein Raum für marginalisierte Gruppen und Individualität. Wenn man nicht der Norm entspricht, wird man aus der Gesellschaft ausgegrenzt. In vielen Ländern dürfen Homosexuelle erst gar nicht einreisen, weil sie dort unerwünscht sind. Viele Menschen werden z.B. wg. eines oder mehrerer Diversitätsmerkmale sogar verfolgt, gefoltert oder erhalten die Todesstrafe.
Verfolgung, Folter, sterben müssen, weil man anders ist als die Mehrheitsgesellschaft? Nicht existieren dürfen, weil man anders ist als die Norm? So etwas gibt es heutzutage doch nicht mehr. Das war das letzte Jahrhundert aber doch nicht jetzt, bitte. Im dritten Reich wurden doch behinderte Menschen, Juden und weitere Menschen massenhaft ermordet, die den Vorstellungen nicht entsprachen. Zum Glück sind diese Zeiten vorbei. Ja, in Deutschland! Gott sei Dank. In anderen Ländern der Welt ist das aber immer noch bittere Realität.
Sie bedeutet Trennung/ voneinander getrennt
Es gibt die Mehrheitsgesellschaft, welche die Hauptgruppierung bildet und die marginalisierte Gruppen wie z.B. Menschen mit Behinderung, Migrant*innen, LGBTQs. Letztere werden von der Hauptgruppe getrennt „behandelt“.
Beispiel: Erwachsene Menschen mit Behinderung, die erwerbsfähig sind, dürfen natürlich auch arbeiten aber nur 1% werden auf dem ersten Arbeitsmarkt beschäftigt. 99% arbeiten in separaten Behindertenwerkstätten. Kinder, die noch kein Deutsch sprechen z.B. Kriegsgeflüchtete oder Kinder mit Behinderung werden nicht in „normalen“ Klassen inkludiert, sondern getrennt in Sonder- oder Förderschulen unterrichtet. Für die unterschiedlichen Gruppen werden Strukturen geschaffen und Angebote gemacht, diese sind jedoch getrennt von denen der Mehrheitsgesellschaft. Inklusion legt dieses Gedankenkonstrukt ab und sieht alle Menschen als gleichberechtigt, die von Anfang an miteinbezogen werden und als selbstbestimmte Individuen an und in der Gesellschaft teilnehmen.
Integration bedeutet die Einbeziehung, Eingliederung in ein größeres Ganzes. Hier werden Menschen in bestehende Systeme eingegliedert wie z.B. Menschen mit Behinderung oder Migranten in die Mehrheitsgesellschaft. Es ist natürlich grundlegend wichtig auf einander zuzugehen. Zum Beispiel geht es bei Migranten darum, die Landessprache zu lernen, sich an Regeln und Gesetze der Aufnahmegesellschaft zu halten und sich mit sozialen, kulturellen Gesichtspunkten des Landes auseinander zu setzen, um sich eingliedern zu können. Für jene, die sich integrieren sollen und wollen, muss die Gesellschaft ebenso Teilhabe-Möglichkeiten schaffen. Sie hat ebenso die Verantwortung die Migranten auch zu integrieren. Jahrzehnte lang wurde mit Integration (teilweise bis heute noch) ein „Wir“ und die „Anderen“ assoziiert. Wir sind Mehrheitsgesellschaft und „die anderen“, die zu uns kommen sollen sich gefälligst an uns anpassen. Das ist im Kern schon zum scheitern verurteilt. Warum? Hier ein Beispiel im übertragenen Sinne: 30 Kinder im Grundschulalter sollen Lesen und Schreiben lernen. Sie bekommen Bücher gestellt, doch keine Lehrkraft, die ihnen etwas beibringt. Es gibt lediglich eine aufpassende Person in der Klasse, damit kein Blödsinn angestellt wird. Als sie nach 4 Jahren weder lesen noch schreiben können, völlig hilflos und frustriert sind, weil sie die weiterführende Schule nicht besuchen können, werden sie von dem Direktor als dumm und faul betitelt. Wo ist der Haken? Genau, damit Kinder Lesen und Schreiben lernen können, ist die Gesellschaft, ihre Justiz und Politik in der Verantwortung, Lehrmaterial, -kräfte und Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen und das Lernen überhaupt erst zu ermöglichen. Genauso ist es bei der Integration.Die Gesellschaft muss eine grundlegende Möglichkeit schaffen, damit Migranten sich eingliedern können. Wenn es um gesellschaftliche Verantwortung geht, gibt es kein „WIR“ und „die anderen“! Alle sind für Integration verantwortlich.
Die Kategorien Exklusion, Separation, Integration und Inklusion sind Gesellschaftsmodelle, die aufzeigen, wie Gesellschaften mit Vielfalt umgehen.
Inklusion und Diversität sind Konzepte, in denen wir Unterschiede von Gruppen und Individuen anerkennen und sie als Bereicherung für die Gesellschaft ansehen.
Inklusion und Diversität sind das Gegenteil von Diskriminierung. Niemand von uns will wegen seiner Herkunft, Hautfarbe, Religion, wegen seiner sexuellen Orientierung, wegen seines Alters, Geschlechts oder wegen seines sozialen Statuses oder wegen seiner Behinderung aus der Gesellschaft ausgeschlossen werden, oder? Kein Mensch will in seinem Leben Diskriminierung erleben, in dem er wegen seines Geschlechts für die gleiche Arbeit schlechter bezahlt wird. Niemand will die Erfahrung machen, dass ihm immer wieder eine Wohnung oder ein Job verwehrt wird, weil den Entscheidungsfäller*innen seine Hautfarbe oder sexuelle Orientierung nicht passt. Niemand will am eigenen Leibe spüren müssen, wie es ist, wenn einem Bildungs- und Arbeitschancen und somit Entfaltungsmöglichkeiten verwehrt werden, weil man mit Behinderung(en) nicht der Norm entspricht. Egal um welche Fälle es sich handel, das Gefühl förmlich ins Abseits ausgemustert zu werden, weil man anders ist als die Meisten und deshalb als Last empfunden wird, kann Leben zerstören. Wagt man einen Blick in die breitere Gesellschaft, kann man feststellen, dass es noch zu vielen von uns schwer fällt alle Menschen als gleichberechtigt anzuerkennen. Inklusion und Diversität sind Lebenskonzepte, die das Gegenteil von Diskriminierung beinhalten. Sie bilden die Grundlage für die Gleichberechtigung aller Menschen. Sie schaffen Chancen und Möglichkeiten für jene, die sie brauchen um gleichgestellt leben zu können, ohne die Menschen dafür zu verurteilen und nutzen den Gewinn, den diese für die Gesellschaft bringen.